Key Takeaways der Keynote von Dr Florence Gaub beim Unternehmertag 2026

Wie denkt die NATO über die Zukunft? Und wie lässt sich in einer zunehmend unsicheren Welt überhaupt sinnvoll über das Morgen sprechen?
In ihrer Keynote warb die Militärstrategin und Zukunftsforscherin Dr. Florence Gaub (Forschungsdirektorin, NATO Defense College, Rom) dafür, Zukunft nicht als festgeschriebenes Schicksal zu betrachten. Wer über die Zukunft nachdenke, müsse lernen, mit Unsicherheit umzugehen, statt sich auf ein einziges Szenario zu fixieren.
Mit Blick auf die europäische Sicherheit argumentierte Gaub, dass die eigentliche Herausforderung weniger in konkreten Bedrohungsszenarien liege als in Europas Fähigkeit, selbst handlungsfähig zu werden. Die USA würden von Europa seit Jahren mehr Verantwortung erwarten – nicht aus mangelndem Interesse an Europa, sondern weil ihre strategischen und militärischen Ressourcen zunehmend auch im Indopazifik gebunden seien.
Gleichzeitig warnte sie vor einer zu starken Fixierung auf einzelne Jahreszahlen oder Kriegsprognosen. Entscheidend sei vielmehr, Europas Verteidigungsfähigkeit, Resilienz und kritische Infrastruktur zu stärken. Sicherheit beginne nicht erst an den Grenzen, sondern auch bei Stromnetzen, Verkehrswegen und der Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften.
Trotz aller Herausforderungen schloss Gaub mit einer optimistischen Perspektive. Krisen seien nicht nur Zeiten erhöhter Risiken, sondern auch Momente, in denen Innovation, Kreativität und gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehen. Die Zukunft sei offen – und damit gestaltbar.
Key Takeaways
• Zukunft ist kein festgelegter Verlauf, sondern ein Spektrum möglicher Entwicklungen.
• Europas größte Herausforderung ist nicht nur Russland oder China, sondern die eigene Handlungs- und Anpassungsfähigkeit.
• Die USA fordern mehr europäische Verantwortung vor allem aus strategischen und militärischen Kapazitätsgründen.
• Abschreckung und Resilienz sind die zentralen Pfeiler europäischer Sicherheit.
• Kritische Infrastruktur und gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit verdienen mehr Aufmerksamkeit als klassische Invasionsszenarien.
• Krisenzeiten schaffen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen für Innovation, Erneuerung und Zusammenhalt.
• Konkrete Kriegsprognosen und Jahreszahlen sollten mit Vorsicht betrachtet werden.
Foto: Unternehmertag/Urs Golling
