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Throwback: "The Quantum Race: Game Changer in Technology?"

Auswirkungen von Quantencomputing auf Wirtschaft, Technologie, Sicherheit

Quantencomputer gelten als nächste große Tech-Revolution, seit Jahren wird intensiv dazu geforscht. Auf dem Panel saßen mit Dr. Dr. Regina Finsterhölzl (Senior R&D Scientist, Quantinuum), Markus Pflitsch (CEO, Terra Quantum) und Thomas Treml (Cloud CTO, Microsoft Deutschland) Vertreter von drei zentralen Perspektiven: Forschung, Start-up und Konzern. Moderiert wurde die Diskussion von Marc Kowalsky (stellv. Chefredakteur BILANZ.)

Ein zentrales Thema war die Frage, ob Europa in diesem technologischen Wettlauf mithalten kann.
Vor diesem Hintergrund warnte Markus Pflitsch (Zitat: „Quantum-KI ist KI auf Steroiden“) eindringlich davor, dass Europa trotz seines enormen Potenzials an Forschern und Talenten ins Hintertreffen geraten könnte, weil Deutschland und die EU Gründern zu viele Hürden auferlegen, während USA und China Quantencomputing mit Milliardensummen fördern. Drei Wochen nach dem Unternehmertag kündigte er an, mit seinem in München ansässigen Unternehmen in die USA zu gehen und dort einen Börsengang anzustreben. Zitat Frankfurter Allgemeine Zeitung:"Der deutsche Gründer des Softwarespezialisten lief in Deutschland gegen viele verschlossene Türen an."

Zentrale Erkenntnisse aus der Diskussion:
• Exponentieller Technologiesprung
Quantencomputing ist kein inkrementelles Upgrade, sondern ein grundlegend anderes Rechenprinzip mit exponentieller Leistungssteigerung – mit potenziell disruptiven Effekten ähnlich oder sogar stärker als bei künstlicher Intelligenz.

• Technologischer Reifegrad: Fortschritt, aber noch kein Durchbruch

Die Hardware hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Aktuelle Systeme erlauben bereits erste Anwendungen und Tests, sind aber noch zu klein und fehleranfällig für den breiten industriellen Einsatz. Skalierung und Fehlerkorrektur bleiben zentrale Herausforderungen.

• Anwendungen mit enormem Potenzial
Besonders relevant sind Einsatzfelder wie Material- und Wirkstoffforschung, Optimierung komplexer Systeme (z. B. Logistik), Simulationen sowie Machine Learning. Erste wirtschaftliche Use Cases entstehen bereits in Nischen.

• Quantum + AI = nächste Evolutionsstufe
Die Kombination von Quantencomputing und KI gilt als besonders vielversprechend. Beide Technologien verstärken sich gegenseitig und könnten neue Klassen von Anwendungen ermöglichen.

• Sicherheitsdimension als dringlichstes Thema
Quantencomputer könnten künftig bestehende Verschlüsselungssysteme brechen. Experten rechnen mit einem möglichen „Q-Day“ um 2030. Gleichzeitig entstehen neue Sicherheitslösungen wie Post-Quantum-Kryptographie und quantenbasierte Verschlüsselung.

• Handlungsdruck für Unternehmen
Unternehmen sollten sich frühzeitig mit Datenstruktur, -qualität und zukünftiger Verschlüsselung beschäftigen, um vorbereitet zu sein, wenn Quantenanwendungen marktreif werden.

• Europa im Hintertreffen
Während Europa in der Grundlagenforschung stark ist, dominieren die USA und China bei Investitionen und Kommerzialisierung. Es besteht die Gefahr, dass europäische Innovationen ins Ausland abwandern.

• Zugang über Cloud statt Desktop
Quantencomputer werden absehbar nicht im Alltag stehen, sondern über Cloud-Infrastrukturen zugänglich sein – ähnlich wie heutige Hochleistungsrechner.

• Ausblick: Milliardenmarkt mit offenem Ausgang
In den kommenden Jahren wird ein wachsender Markt erwartet. Welche Technologien, Unternehmen oder Regionen sich durchsetzen, ist jedoch noch völlig offen.

Schlussfolgerung:
Quantencomputing steht an der Schwelle vom Forschungsfeld zur industriellen Anwendung. Damit ist die Technologie keine ferne Zukunftsmusik mehr, sondern ein strategisches Thema der Gegenwart. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, entscheidet mit darüber, wer im nächsten großen Technologiesprung vorne liegt. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob der Durchbruch kommt, sondern wer ihn für sich nutzt.

Foto: Marc Kowalsky, Regina Finsterhölzl, Markus Pflitsch, Thomas Treml (v.l.n.r.), ©Unternehmertag/Urs Golling

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