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Ready to Defend? Europe's Military Reality Check

Key Takeaways der Diskussion mit Dr. Michael Schöllhorn, CEO Airbus Defence & Space, moderiert von Chis Lunday, POLITICO Europe

Europa steht sicherheitspolitisch an einem Wendepunkt. Im Interview mit Dr. Michael Schöllhorn, CEO Airbus Defence & Space (geführt am 19.3.2026 von POLITICO-Reporter Chris Lunday beim Unternehmertag) wurde deutlich: Die Bedrohungslage ist erkannt, doch bei Tempo, Umsetzung und strategischer Klarheit bestehen weiterhin erhebliche Defizite.

Über Jahrzehnte wurde Verteidigung politisch und gesellschaftlich vernachlässigt. Erst die jüngsten geopolitischen Entwicklungen, insbesondere der Krieg in der Ukraine, haben zu einem grundlegenden Umdenken geführt. Heute geht es weniger um die Frage, ob Europa handeln muss, sondern wie schnell und entschlossen dies geschieht.

Ein zentrales Thema war die Rolle der USA. Während transatlantische Partnerschaften weiterhin wichtig bleiben, wurde klar: Europa kann sich langfristig nicht mehr allein auf amerikanische Sicherheitsgarantien verlassen. Die strategischen Prioritäten der USA verschieben sich zunehmend in den Indo-Pazifik. Daraus folgt die Notwendigkeit, europäische Verteidigungsfähigkeit eigenständig zu stärken.

Auch die Frage der Finanzierung wurde offen diskutiert. Höhere Verteidigungsausgaben gelten als unausweichlich, entscheidend ist jedoch, diese Mittel gezielt und effizient einzusetzen. Dabei wurde insbesondere die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern kritisch beleuchtet. Ein stärkerer Fokus auf europäische Industrie könne nicht nur die strategische Autonomie erhöhen, sondern auch Innovation und Wertschöpfung innerhalb Europas sichern.

Am Beispiel des deutsch-französischen FCAS-Projekts wurde die strukturelle Herausforderung europäischer Zusammenarbeit sichtbar. Industrielle Rivalitäten und politische Kompromisslogiken erschweren Fortschritte. Gleichzeitig wurde betont, dass die Zukunft moderner Verteidigung weniger in einzelnen Plattformen als in deren Vernetzung liegt, insbesondere in Form einer sogenannten „Combat Cloud“.

Ein weiterer zentraler Wachstums- und Innovationsbereich ist der Weltraum. Satelliteninfrastruktur und Datenvernetzung gewinnen rasant an Bedeutung, nicht zuletzt durch ihre entscheidende Rolle im Ukraine-Krieg.

Insgesamt zeigte das Gespräch: Europa verfügt über die notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten, um seine Sicherheit selbst zu gewährleisten. Entscheidend wird sein, diese konsequent zu bündeln und strategisch einzusetzen.

Key Takeaways
● Europa hat die sicherheitspolitische Realität erkannt, kämpft jedoch weiterhin mit der konsequenten Umsetzung.
● Die USA werden Europa künftig weniger absichern: mehr Eigenverantwortung ist zwingend notwendig.
● Höhere Verteidigungsausgaben sind alternativlos; entscheidend ist deren zielgerichteter Einsatz.
● Strategische Abhängigkeiten, insbesondere von den USA, stellen ein zentrales Risiko dar.
● Eine starke europäische Verteidigungsindustrie sowie eine langfristige industrielle Strategie für diesen Sektor sind Voraussetzung für echte Souveränität.
● Europäische Kooperation scheitert häufig an industriellen Rivalitäten, mangelnder Kooperationsfähigkeit und politischen Kompromissen.
● Die Zukunft der Verteidigung liegt in der Vernetzung, Daten und Space-Infrastruktur – nicht nur in klassischen Waffensystemen und -domänen.
● Rüstungsexporte werden zunehmend – und auch endlich in Deutschland – als strategisches Instrument der Außenpolitik verstanden.

Foto: Unternehmertag/Urs Golling

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