Nächster Halt von Conny Boerschs Zeitreise durch 20 Jahre Unternehmertag: April 2010.

Nach dem Absturz kam die Frage: Wie geht es eigentlich wieder bergauf?
2009 hatte ganz im Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise gestanden. Ein Jahr später zeichnete sich eine Erholung ab. Aber die Unsicherheit war längst nicht vorbei.
Deshalb wählten wir als Titel für den 4. Unternehmertag, der am 15. und 16. April 2010 stattfand:
„Peaks and Valleys“.
Wenn ich heute darauf zurückblicke, war das vielleicht einer unserer treffendsten Titel.
Unternehmertum wird gerne als stetiger Weg nach oben erzählt: Man hat eine Idee, gründet ein Unternehmen, wächst, gewinnt Investoren und irgendwann steht man auf dem Gipfel.
Jeder, der selbst ein Unternehmen aufgebaut hat, weiß, dass die Kurve in Wirklichkeit etwas anders aussieht. Es gibt Höhen und Tiefen. Erfolge und Rückschläge. Entscheidungen, die sich als richtig erweisen, und andere, bei denen man später denkt: Was um Himmels willen habe ich mir eigentlich dabei gedacht?
Entscheidend ist nicht, jedes Tal zu vermeiden. Entscheidend ist, weiterzugehen.
Auch die Welt um uns herum befand sich 2010 zwischen Gipfeln und Tälern.
Als wir uns am Tegernsee trafen, war das erste iPad gerade einmal zwölf Tage auf dem Markt. Instagram gab es noch nicht. Gleichzeitig spitzte sich die griechische Schuldenkrise dramatisch zu. Nur eine Woche nach dem Unternehmertag beantragte Griechenland internationale Finanzhilfe.
China war auf dem Weg, Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abzulösen. Und später im Jahr machte Stuxnet Schlagzeilen: eine hochentwickelte Schadsoftware, die gezielt iranische Urananreicherungsanlagen manipulierte. Plötzlich wurde sichtbar, dass ein Cyberangriff nicht nur Daten stehlen oder Computer lahmlegen, sondern Maschinen und kritische Infrastruktur in der realen Welt beschädigen konnte.
Viele Entwicklungen, die heute unseren Alltag prägen oder uns sogar massiv bedrohen, waren damals in ihrer Anfangsphase.
Auch unsere Speaker betrachteten die Welt aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Jovan Hsu, Gründer des Chinese Founders Fund, brachte den Blick auf China und seine wachsende wirtschaftliche Bedeutung mit. Die TV-Journalistin Antonia Rados kannte Krisen und Kriege aus unmittelbarer Nähe. Mel Young, Gründer des Homeless World Cup, zeigte, was unternehmerisches Denken auch gesellschaftlich bewirken kann.
Und dann war da Rüdiger Nehberg, Abenteurer, Survival-Experte und Menschenrechtsaktivist. Auch sein Leben bestand zu einem großen Teil aus „Peaks and Valleys“.
Was ich aus 2010 mitnehme?
Gipfel bleiben nicht für immer. Täler auch nicht. Man muss nur in Bewegung bleiben.
Nächster Halt: 2011.
