Conny Boerschs Zeitreise durch 20 Jahre Unternehmertag geht weiter. Nächster Halt: April 2009

Die Welt sah inzwischen ziemlich anders aus als noch zwölf Monate zuvor am Tegernsee.
Lehman Brothers war zusammengebrochen. Aus der Finanzkrise war eine globale Wirtschaftskrise geworden. Investitionen brachen ein, die Prognosen waren düster und die Unsicherheit groß.
Und wie nannten wir den Unternehmertag 2009?
„Jetzt erst recht!“
Wenn ich heute darauf zurückblicke, gefällt mir dieser Titel immer noch.
Denn unsere Antwort auf die Krise war nicht, darüber zu diskutieren, warum jetzt alles nicht mehr geht. Wir wollten darüber sprechen, was Unternehmer gerade in schwierigen Zeiten tun können: Chancen erkennen, Risiken eingehen, investieren, Unternehmen aufbauen.
Und während überall Krisenszenarien diskutiert wurden, suchten wir ganz bewusst nach Unternehmen aus „Internet/Neue Medien“ und „Technology“, die „optimistisch in die Zukunft“ schauten.
Das klingt heute fast selbstverständlich. 2009 war es das nicht.
Auf der Bühne und im Publikum trafen sich Unternehmer und Investoren, die weiterhin an Wachstum und neue Geschäftsmodelle glaubten. Tim Draper kam aus dem Silicon Valley an den Tegernsee, Klaus Hommels war dabei, Erich Sixt und viele andere.
Und wieder Guido Westerwelle.
2009 war Guido nicht mehr nur Gast beim Unternehmertag. Wir waren inzwischen eng befreundet, und im selben Jahr engagierte ich mich auch in seinem Bundestagswahlkampf.
Politischer Wahlkampf begann sich gerade grundlegend zu verändern. Facebook, Twitter, Onlinevideos und andere digitale Formate eröffneten plötzlich Möglichkeiten, die es wenige Jahre zuvor schlicht nicht gegeben hatte. Wir probierten vieles aus, und ich begleitete Guido in dieser Zeit auch auf Reisen, unter anderem nach Estland, Japan und China.
Im September erzielte die FDP mit 14,6 Prozent das beste Bundestagswahlergebnis ihrer Geschichte. Guido wurde anschließend Außenminister und Vizekanzler.
Für uns am Tegernsee ging es aber schon im April um eine viel grundsätzlichere Frage: Was macht man, wenn die Zeiten schwierig werden?
Unser Motto 2009 war die Antwort:
Jetzt erst recht.
18 Jahre später heißt unser Jubiläumsmotto:
Stop Complaining. Start Changing.
Vielleicht ist der Unternehmertag seinem Grundgedanken über all die Jahre erstaunlich treu geblieben.
Und auch eine andere Tradition hatte sich inzwischen etabliert: Nach dem ersten Konferenztag ging es wieder ins Bräustüberl zur Bayerischen Gaudi.
Krise hin oder her. Manche Dinge mussten wirklich nicht verändert werden.
Nächster Halt: 2010.
